www.balkonbespannung.net

Balkon-Windschutz aus Plexiglas ohne Bohren: so geht’s

Ein Balkon-Windschutz aus Plexiglas ohne Bohren ist möglich: Die Scheiben werden mit Klemmhaltern direkt am Geländer befestigt oder an Klemmpfosten montiert, die sich zwischen Boden und Balkondecke verspannen. So bleiben Fassade und Balkonplatte unberührt, und der Windschutz lässt sich beim Auszug wieder entfernen. Voraussetzung sind ein tragfähiges Geländer, eine ausreichende Plattenstärke und Halter, die für die Windlast einer geschlossenen Fläche ausgelegt sind.

Plexiglas ist ein Markenname für Acrylglas. Wer nach Balkon Windschutz Plexiglas ohne Bohren sucht, meint also einen Windschutz aus Acrylglas, und von diesem ist im Folgenden die Rede. Der Beitrag vergleicht Acrylglas mit Polycarbonat und Glas, erklärt die Befestigung ohne Bohren, gibt Hinweise zu Stärke und Windlast und zeigt, wie die Scheiben lange klar bleiben.

Warum ein Windschutz aus Acrylglas?

Ein Windschutz aus Plexiglas beziehungsweise Acrylglas hält den Wind ab, ohne die Aussicht zu nehmen. Der Balkon bleibt hell, und der Blick in die Umgebung bleibt frei. Das ist der größte Vorteil gegenüber Stoff, Holz oder Sichtschutzmatten, die zwar Schutz vor Wind und neugierigen Blicken bieten, aber auch das Licht nehmen.

  • Durchsichtig: Acrylglas lässt sehr viel Licht durch und wirkt klar wie Glas.
  • Leicht: Es wiegt etwa halb so viel wie Glas gleicher Stärke. Das entlastet Geländer und Halterungen.
  • Bruchfest: Acrylglas ist deutlich schlagfester als normales Glas und zerfällt beim Bruch nicht in viele kleine Splitter.
  • Wetterfest: Es ist für den Außenbereich geeignet, verträgt Regen, Frost und UV-Strahlen und vergilbt auch nach Jahren in der Sonne kaum.

Dem stehen Nachteile gegenüber: Acrylglas ist weicher als Glas und zerkratzt leichter. Es dehnt sich bei Wärme stärker aus, und als geschlossene Fläche fängt es den Wind vollständig ab. Einen Überblick über den Windschutz am Balkon mit allen Lösungen im Vergleich gibt der Beitrag Windschutz Balkon.

Plexiglas, Polycarbonat oder Glas?

Für einen transparenten Windschutz kommen drei Materialien in Frage. Sie unterscheiden sich vor allem in Gewicht, Kratzfestigkeit und Verhalten im Sonnenlicht.

Acrylglas

Acrylglas (PMMA) ist klar, leicht und UV-stabil. Es bleibt auch bei starker Sonne klar und wird nicht gelb. Es ist deutlich schlagfester als Glas, aber spröder als Polycarbonat. Bei einem starken Schlag kann es in größere Stücke brechen. Die Oberfläche ist härter als bei Polycarbonat, zerkratzt aber leichter als Glas. Für einen Windschutz am Balkon ist Acrylglas der häufigste Kompromiss aus Klarheit, Gewicht und Preis.

Polycarbonat

Polycarbonat ist ähnlich leicht wie Acrylglas, aber noch wesentlich schlagzäher. Es gilt als nahezu unzerbrechlich und wird auch für Schutzverglasungen eingesetzt. Dafür ist die Oberfläche kratzempfindlicher. Ohne UV-Schutzbeschichtung vergilbt Polycarbonat mit der Zeit in der Sonne und wird trüb. Für den Außenbereich sollten daher nur Platten mit UV-Schutz verwendet werden. Polycarbonat ist die bessere Wahl, wenn Bälle, Äste oder Hagel die Scheibe treffen können.

Glas

Glas ist am kratzfestesten und bleibt dauerhaft klar. Es ist aber schwer: Eine Scheibe wiegt etwa doppelt so viel wie Acrylglas gleicher Stärke. Am Balkon wird Sicherheitsglas verwendet, also Einscheibensicherheitsglas (ESG) oder Verbundsicherheitsglas (VSG). Glas braucht stabile Halterungen und ein Geländer, das die Last sicher trägt. Ein Windschutz aus Glas wird deshalb fast immer fest verschraubt und ist für eine Montage ohne Bohren nur eingeschränkt geeignet.

Übersicht

  • Gewicht: Acrylglas und Polycarbonat leicht, Glas etwa doppelt so schwer.
  • Kratzfestigkeit: Glas am besten, Acrylglas mittel, Polycarbonat am empfindlichsten.
  • Bruch: Polycarbonat nahezu unzerbrechlich, Acrylglas deutlich fester als Glas, Sicherheitsglas zerfällt in Krümel oder hält durch die Folie zusammen.
  • UV und Vergilbung: Acrylglas und Glas bleiben klar, Polycarbonat nur mit UV-Schutzschicht.
  • Ohne Bohren: Acrylglas und Polycarbonat gut geeignet, Glas nur mit besonders stabilen Klemmsystemen.

Plexiglas-Windschutz ohne Bohren befestigen

Für eine bohrfreie Montage gibt es zwei bewährte Wege, eine Acrylglasscheibe am Balkon anzubringen. Welcher passt, hängt davon ab, ob die Scheibe an der Front oder seitlich sitzen soll. Beide Wege kommen ohne bauliche Veränderung aus und schonen die Bausubstanz.

Klemmhalter am Geländer

Klemmhalter aus Edelstahl oder Aluminium umgreifen den Handlauf oder die Stäbe des Balkongeländers und halten die Scheibe mit Gummieinlagen. Sie werden verschraubt, ohne dass ein Bohrloch in Geländer oder Fassade entsteht. Die Scheibe sitzt meist an der Innenseite der Balkonbrüstung. Diese Lösung eignet sich für die Front und für Seiten, an denen ein Geländer vorhanden ist.

  • Die Halter müssen zum Profil des Geländers passen: rund, eckig oder flach.
  • Pro Scheibe mindestens vier Halter verwenden, bei größeren Scheiben mehr.
  • Die Gummieinlagen schützen Scheibe und Geländer und dämpfen Vibrationen.
  • Die Scheibe darf nicht über den Handlauf nach außen ragen.

Klemmpfosten

Für seitliche Öffnungen ohne Geländer, etwa zwischen Hauswand und Brüstung, eignen sich Klemmpfosten. Diese höhenverstellbaren Stangen werden zwischen Boden und Balkondecke verspannt. Die Acrylglasscheibe wird mit Klemmen an zwei Pfosten befestigt. Klemmpfosten brauchen eine feste, tragfähige Decke und einen ebenen Boden. Sie sollten nach windigen Tagen kontrolliert und bei Bedarf nachgespannt werden. Weitere Varianten ohne Bohren zeigt der Beitrag Befestigung ohne Bohren.

Wovon abzuraten ist

Saugnäpfe, Klebepads und Montagekleber sind keine Alternative, um einen Windschutz aus Plexiglas zu montieren. Sie halten eine geschlossene Scheibe bei Wind nicht zuverlässig. Kleber lässt sich zudem oft nicht rückstandslos entfernen. Kabelbinder durch gebohrte Ösen in der Scheibe sind ebenfalls ungünstig, weil sich die Last auf wenige Punkte konzentriert und das Material an den Löchern einreißen kann.

Acrylglas-Windschutz wird mit Mikrofasertuch gereinigt

Welche Stärke? Windlast allgemein

Eine geschlossene Scheibe bekommt die volle Windlast ab. Die Kraft steigt mit der Fläche und mit dem Quadrat der Windgeschwindigkeit: Doppelte Windgeschwindigkeit bedeutet etwa die vierfache Last. In höheren Etagen, an Hausecken und zwischen Gebäuden ist der Wind stärker als in Bodennähe.

  • Dünne Platten um 2 bis 3 mm biegen sich bei Wind stark durch und eignen sich nur für kleine, geschützte Flächen.
  • Für einen Windschutz am Balkon werden häufig Platten mit 5 oder 6 mm Stärke verwendet.
  • Je größer die Scheibe und je windiger die Lage, desto stärker sollte die Platte sein und desto mehr Halter werden gebraucht.
  • Kleinere Scheiben mit Fugen dazwischen sind stabiler als eine große Fläche.

Die Angaben sind Richtwerte. Wie viel Last ein bestimmtes Klemmsystem und das vorhandene Geländer aufnehmen, geben die Hersteller der Halterungen an. Bei Zweifeln an der Tragfähigkeit eines älteren Geländers sollte eine Fachkraft prüfen, ob die zusätzliche Last zulässig ist.

Wärmeausdehnung beachten

Acrylglas dehnt sich bei Wärme etwa siebenmal so stark aus wie Glas, rund 0,07 mm je Meter und Grad. Eine ein Meter breite Scheibe kann zwischen Winternacht und Sommersonne um mehrere Millimeter länger werden. Halter und Rahmen brauchen deshalb etwas Spiel. Wird die Scheibe zu fest eingespannt, wölbt sie sich oder bekommt Spannungsrisse.

Wie stabil ist ein Plexiglas-Windschutz bei starkem Wind?

Ein Windschutz aus Acrylglas ist bei starkem Wind stabil, wenn Stärke, Halter und Geländer zusammenpassen. Weil er keine Luft durchlässt, bilden sich hinter der Scheibe Verwirbelungen, und die Befestigung wird stärker belastet als bei einem luftdurchlässigen Gewebe. In sehr windigen Lagen kann eine Kombination sinnvoll sein: Acrylglas an der Front für die Aussicht, seitlich eine luftdurchlässige Balkonbespannung, die den Wind bremst statt ihn aufzustauen. Wie Befestigungen bei Sturm halten, erklärt der Beitrag Sichtschutz sturmfest befestigen.

Andere bohrfreie Lösungen im Vergleich

Acrylglas ist nicht die einzige Möglichkeit, den Windschutz am Balkon ohne Bohren anzubringen. Je nach Ziel können andere Lösungen besser passen:

  • Luftdurchlässiges Gewebe: leicht, mit Kabelbindern an den Ösen schnell montiert, bremst den Wind statt ihn aufzustauen und bietet zugleich Sichtschutz. Die Aussicht geht dabei teilweise verloren.
  • PVC-Planen: günstig und blickdicht, aber winddicht wie eine Scheibe und dabei weniger formstabil. Bei Böen flattern sie und reißen an den Ösen.
  • Seitenmarkise: ausziehbar und bei Nichtgebrauch aufgerollt. Mit Klemmpfosten auch ohne Bohren möglich, bei starkem Wind muss sie eingefahren werden.
  • Paravent: freistehend und mobil, bietet Flexibilität für wechselnde Sitzplätze, kippt aber bei stärkerem Wind ohne zusätzliche Sicherung.
  • Pflanzen: natürlich und durchlässig, brauchen aber Zeit, Platz und schwere Kübel.

Wer Aussicht und Windschutz verbinden möchte, wählt meist Acrylglas an der Front. Wer vor allem Ruhe und Privatsphäre sucht, ist mit Gewebe oft besser beraten.

Klar, satiniert oder farbig?

Klares Acrylglas erhält die Aussicht, schützt aber nicht vor Blicken. Satiniertes Acrylglas lässt Licht durch und nimmt die Sicht, es kann also auch als Sichtschutz fungieren. Getönte oder farbige Platten mindern zusätzlich die Blendung. Eine Gestaltungsmöglichkeit ist die Aufteilung: unten satiniert, oben klar.

Plexiglas pflegen: keine scharfen Reiniger

Acrylglas bleibt lange klar, wenn es richtig gereinigt wird.

  • Zuerst Staub und Sand mit viel Wasser abspülen, nicht trocken wischen. Trockene Körnchen verkratzen die Oberfläche.
  • Mit lauwarmem Wasser, etwas mildem Spülmittel und einem weichen Tuch oder Schwamm reinigen.
  • Keine scheuernden Mittel und keine Schwämme mit Scheuerseite.
  • Keine Reinigungsmittel mit Alkohol, Spiritus, Aceton oder Lösemitteln. Sie können Spannungsrisse verursachen und die Oberfläche trüben.
  • Leichte Kratzer lassen sich mit Polierpaste für Acrylglas mildern.

Weitere Hinweise zur Pflege von Balkonbespannungen und Sichtschutz stehen im Beitrag Pflege und Haltbarkeit.

Windschutz-Folie als Notlösung

Eine transparente Folie, am Geländer mit Kabelbindern oder Klebeband befestigt, ist die günstigste Form eines Balkon-Windschutzes. Sie ist schnell angebracht und ebenso schnell entfernt. Als Dauerlösung eignet sie sich nicht: Folie flattert und knattert im Wind, wird durch UV-Strahlen spröde und trüb und reißt an den Befestigungspunkten ein. Als Übergang, etwa für eine Saison oder bis zur Montage einer festen Lösung, kann sie trotzdem sinnvoll sein.

Was Mieter beachten sollten

Für viele Mieter ist ein Windschutz ohne Bohren ideal, weil er sich beim Auszug einfach wieder entfernen lässt. Er ist in der Mietwohnung aber nicht automatisch ohne Zustimmung des Vermieters erlaubt. Verändert er das Aussehen der Fassade deutlich, kann der Vermieter oder die Eigentümergemeinschaft ihn untersagen. Scheiben innerhalb der Balkonbrüstung, die nicht über das Geländer hinausragen, sind meist weniger problematisch als hohe Aufbauten. Beim Auszug muss der Windschutz in der Regel wieder entfernt werden. Mehr dazu im Beitrag Welcher Sichtschutz ist erlaubt.

Kosten

Die Kosten hängen vor allem von Fläche, Material und Stärke ab, außerdem davon, ob die Montage selbst erfolgt. Acrylglas ist in der Regel günstiger als Sicherheitsglas. Hinzu kommen Klemmhalter oder Klemmpfosten. Zuschnitte nach Maß kosten mehr als Standardgrößen, sitzen dafür genau und lassen keine Lücken.

Checkliste für den Kauf

  1. Fläche ausmessen und Geländerprofil notieren.
  2. Material wählen: Acrylglas für Klarheit, Polycarbonat mit UV-Schutz für hohe Schlagfestigkeit.
  3. Stärke passend zur Fläche und Windlage wählen.
  4. Klemmhalter oder Klemmpfosten mit Gummieinlagen und ausreichender Anzahl einplanen.
  5. Spiel für die Wärmeausdehnung lassen.
  6. Vor der Montage klären, ob Vermieter oder Eigentümergemeinschaft zustimmen müssen.