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Regenschutz für den Balkon: wasserdicht oder wasserabweisend?

Ein Regenschutz für den Balkon muss nicht immer wasserdicht sein. Wasserabweisende Stoffe wie imprägniertes Acryl oder beschichtetes Polyester lassen Regen abperlen, halten einem Dauerregen mit Wasserstau aber nicht stand. Wasserdicht sind vor allem PVC-beschichtete Gewebe und Planen mit hoher Wassersäule. Für ein Balkondach oder eine Markise, unter der Sie auch bei Regen sitzen wollen, zählen deshalb drei Dinge: die Wassersäule im Datenblatt, ein ausreichendes Gefälle und dichte Nähte. Für eine seitliche Bespannung genügt meist ein wasserabweisendes Gewebe, das schnell trocknet.

Wasserabweisend oder wasserdicht: der Unterschied

Die beiden Begriffe werden im Handel oft durcheinandergeworfen. Sie beschreiben aber verschiedene Eigenschaften:

  • Wasserabweisend heißt, dass Tropfen auf der Oberfläche abperlen, weil eine Imprägnierung die Fasern umhüllt. Das Gewebe selbst bleibt offen. Steht Wasser länger auf dem Stoff oder drückt es mit Gewicht darauf, tritt es irgendwann durch.
  • Wasserdicht heißt, dass auch stehendes Wasser unter Druck nicht durchkommt. Das erreicht ein Stoff nur mit einer geschlossenen Beschichtung, etwa aus PVC oder Polyurethan, oder mit einer laminierten Membran.

Eine Imprägnierung wirkt nicht ewig. Mit UV-Licht, Schmutz und Reinigung lässt sie nach, und das Wasser perlt nicht mehr ab, sondern zieht dunkel in den Stoff ein. Eine Beschichtung hält länger, kann aber an Knickstellen und Nähten brechen.

Wassersäule: was die Millimeter im Datenblatt bedeuten

Die Wassersäule gibt an, welchem Wasserdruck ein Textil standhält, bevor Wasser durchtritt. Gemessen wird nach DIN EN 20811, inzwischen ersetzt durch DIN EN ISO 811. Bei der Prüfung wird eine Stoffprobe eingespannt und von unten mit Wasser belastet. Der Druck steigt gleichmäßig an, bis an drei Stellen Tropfen durchkommen. Der Wert wird in Millimetern Wassersäule angegeben: 1.000 mm bedeuten, dass der Stoff dem Druck einer ein Meter hohen Wassersäule standhält.

Einen festen Grenzwert, ab dem ein Stoff „wasserdicht“ heißen darf, legt diese Prüfnorm nicht fest. Zur Einordnung helfen andere Maßstäbe:

Wassersäule Einordnung Beispiel
etwa 270–350 mm wasserabweisend imprägniertes Acryl-Markisentuch laut Herstellerdatenblättern
ab 1.300 mm höchste Klasse bei Regenschutzkleidung nach DIN EN 343 (13 kPa) Arbeitsjacken der Klasse 3
ab 1.500 mm Empfehlung der Schweizer Prüfanstalt EMPA für Zeltdächer Zelte, Pavillondächer
deutlich darüber wasserdicht auch bei Dauerregen PVC-beschichtete Planen

Ein hoher Wert nützt allerdings wenig, wenn die Nähte offen sind. Bei genähten Dächern sollten die Nähte verschweißt oder mit Nahtband abgeklebt sein. Auch Ösen und Befestigungslöcher sind Schwachstellen, an denen Wasser entlangläuft. Fragen Sie beim Kauf nach, ob sich die Angabe auf den Stoff allein oder auf das fertige Produkt bezieht.

Materialien im Vergleich: PVC, Polyester und Acryl

PVC-beschichtetes Gewebe

Ein Trägergewebe aus Polyester wird beidseitig mit PVC beschichtet. Das Ergebnis ist eine Plane, die praktisch wasserdicht ist, Schmutz schlecht annimmt und sich abwaschen lässt. Nachteile: Sie ist schwerer, wird bei Frost steif und atmet nicht. Darunter kann sich an schwülen Tagen Wärme stauen. Als Dach über einer Sitzecke oder als Wetterseite einer Bespannung ist PVC die sicherste Wahl, wenn es wirklich trocken bleiben soll.

Polyester (PES)

Polyestergewebe ist leicht, reißfest und günstig. Ohne Beschichtung ist es nur wasserabweisend. Mit einer PU-Beschichtung erreichen Pavillon- und Sonnensegelstoffe Wassersäulen, die je nach Produkt von etwa 1.000 mm bis zu mehreren tausend Millimetern reichen. Die Spanne ist groß, deshalb lohnt der Blick ins Datenblatt mehr als die Aufschrift „wasserdicht“ auf der Verpackung. PU-Beschichtungen altern unter UV-Licht schneller als PVC.

Acryl

Spinndüsengefärbtes Acryl ist der Standard für hochwertige Markisentücher. Es ist sehr farbecht und atmungsaktiv, die Luft unter der Markise bleibt angenehm. Gegen Regen hilft nur die Imprägnierung, die Wassersäule liegt meist im Bereich von gut 300 mm. Acryl schützt also bei einem kurzen Schauer, ist aber kein Regendach. Manche Hersteller bieten beschichtete Acryltücher an, die deutlich mehr Wasser abhalten.

Gefälle und Wasserablauf planen

Auch der dichteste Stoff versagt, wenn das Wasser nicht abfließen kann. Auf einer zu flachen Fläche sammelt es sich in einer Mulde, dem sogenannten Wassersack. Dessen Gewicht dehnt den Stoff, die Mulde wird tiefer, und am Ende reißt das Tuch oder verbiegt sich das Gestänge.

  • Markisen: Hersteller nennen als Mindestneigung für den Wasserablauf bei Regen häufig etwa 14 bis 15 Grad. Bei starkem Regen sollten Sie eine normale Gelenkarmmarkise trotzdem einfahren, sie ist in erster Linie ein Sonnenschutz.
  • Sonnensegel und Planen: Mindestens eine Ecke deutlich tiefer abspannen als die anderen, damit das Wasser gezielt an einer Stelle abläuft. Straff gespannt, nicht durchhängend.
  • Ablaufstelle: Das Wasser sollte nicht auf den Nachbarbalkon oder auf die Fassade laufen. Ein Eimer, ein Pflanzkübel oder der Balkonablauf an der tiefsten Ecke fängt es auf.

Seitenbespannung und Markise kombinieren

Bei Wind kommt Regen schräg, und dann hilft eine Markise allein wenig. Erst die Kombination aus Dach und Seitenbespannung hält die Wetterseite trocken. Die Bespannung am Geländer muss dafür nicht wasserdicht sein: Ein dicht gewebtes, wasserabweisendes Gewebe bremst die Tropfen und trocknet danach schnell. Eine wasserdichte PVC-Bahn bietet dem Wind dagegen eine geschlossene Fläche und belastet das Geländer stärker.

Wichtig ist der Übergang. Zwischen Markisenvorderkante und Bespannung bleibt meist ein Spalt, durch den der Regen hereinweht. Ein Volant an der Markise oder ein senkrecht ausfahrbares Rollo am Ausfallprofil verkleinert diese Lücke. Prüfen Sie außerdem, dass die Markise nicht auf die Bespannung tropft. Sonst steht das Wasser im oberen Saum und läuft an den Ösen entlang.

Stockflecken vermeiden

Stockflecken sind Pilzbefall auf feuchtem Schmutz. Acryl- und Polyesterfasern selbst schimmeln nicht, wohl aber Pollen, Staub und Laubreste, die darauf liegen. Die wichtigste Regel: Fahren Sie die Markise möglichst nur trocken ein. Mussten Sie sie nass einrollen, etwa wegen Sturm, fahren Sie sie beim nächsten trockenen Wetter wieder aus und lassen das Tuch vollständig trocknen.

  1. Lose Verschmutzungen regelmäßig trocken abbürsten, bevor Regen sie in das Gewebe spült.
  2. Seitliche Bespannungen nach längeren Regenphasen nicht zusammenfalten, sondern hängen lassen, bis sie trocken sind.
  3. Zum Reinigen lauwarmes Wasser und eine weiche Bürste verwenden. Kein Hochdruckreiniger, er beschädigt Gewebe und Imprägnierung.
  4. Nach der Reinigung die Imprägnierung mit einem Spray für Outdoor-Textilien auffrischen, sobald Wasser nicht mehr abperlt.

Für den Winter gilt dasselbe Prinzip: Nehmen Sie abnehmbare Tücher nur trocken ab und lagern Sie sie locker gerollt an einem luftigen Ort, nicht in einer verschlossenen Plastiktüte.

Leichte Flecken lassen sich mit einer Paste aus Backpulver und Wasser vorsichtig abtupfen. Stark befallene Stellen bekommen Sie oft nicht mehr ganz sauber.

Häufige Fragen

Ab welcher Wassersäule ist ein Stoff wasserdicht?

Einen gesetzlichen Grenzwert gibt es nicht. Als Orientierung gelten etwa 1.300 bis 1.500 mm. Markisentücher aus Acryl liegen weit darunter und sind nur wasserabweisend.

Hält eine Markise Regen ab?

Bei leichtem Regen und ausreichender Neigung ja. Bei starkem Regen sollten Sie sie einfahren, damit sich kein Wassersack bildet.

Ist PVC oder Acryl besser als Regenschutz?

PVC hält dicht, atmet aber nicht. Acryl ist angenehmer und farbechter, schützt aber nur bei kurzen Schauern.

Darf ich die Markise nass einfahren?

Im Notfall ja. Fahren Sie sie dann so bald wie möglich wieder aus und lassen Sie das Tuch trocknen, sonst drohen Stockflecken.