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Balkonverkleidung: Arten, Montage und Entscheidungshilfe

Eine Balkonverkleidung ist alles, was die offene Fläche eines Balkongeländers schließt: feste Platten aus HPL, WPC, Aluminium, Kunststoff oder Glas, die mit dem Geländer verschraubt oder geklemmt werden, oder eine textile Bespannung aus Gewebe, die als Balkonumrandung mit Seil oder Kabelbindern am Geländer sitzt. Beide Varianten schützen vor Blicken, Wind und Sonne, unterscheiden sich aber deutlich bei Gewicht, Montage, Aufwand und Rückbau.

Wer eine neue Balkonverkleidung plant, sollte deshalb zuerst klären, ob eine dauerhafte, feste Lösung gewünscht und erlaubt ist oder ob eine leichte Verkleidung ohne Bohren besser passt. Die folgenden Abschnitte zeigen Arten, Befestigung, Kostenrahmen, die Lage in Mietwohnung und Eigentümergemeinschaft sowie das Erneuern einer alten Verkleidung.

Was ist eine Balkonverkleidung?

Unter dem Begriff laufen zwei Dinge zusammen. Im engeren Sinn ist eine Balkonverkleidung die feste Füllung eines Geländers, also Platten zwischen Handlauf und Balkonplatte. Sie gehört oft zur Fassade und wurde beim Bau des Hauses mitgeplant. Im weiteren Sinn zählen auch nachträgliche Lösungen dazu, die das Geländer von innen oder außen abdecken, etwa eine Balkonbespannung aus Gewebe, auch Balkonumspannung oder Balkonumrandung genannt, Matten oder Sichtschutzelemente.

Für die Entscheidung ist der Unterschied wichtig. Eine feste Verkleidung verändert das Aussehen der Fassade und wird meist mit dem Geländer verschraubt. Eine textile Bespannung ist leicht, lässt Wind teilweise durch und lässt sich ohne Spuren wieder abnehmen.

Arten der Balkonverkleidung im Überblick

Feste Platten

  • HPL (Hochdrucklaminat): dichte, harte Schichtstoffplatten, witterungsfest und farbstabil, häufig im Neubau und bei Sanierungen.
  • WPC: Verbund aus Holzfasern und Kunststoff, Holzoptik, dehnt sich bei Wärme spürbar aus.
  • Aluminium: leicht, rostet nicht, als glattes Blech oder Lochblech mit Pulverbeschichtung.
  • Kunststoff: Stegplatten, Vollplatten oder Paneele, günstig und leicht, aber weniger langlebig.
  • Glas und Acrylglas: hell und modern, klar, satiniert oder bedruckt, schwerer und aufwendiger in der Montage.
  • Faserzement: mineralisch, nicht brennbar, schwer, eher bei größeren Sanierungen.

Welches Plattenmaterial sich wofür eignet, zeigt der ausführliche Vergleich zur Balkonverkleidung mit Platten.

Holz

Latten oder Rhombusleisten aus Lärche, Douglasie oder Thermoholz wirken warm und natürlich. Holz braucht Pflege und vergraut ohne Anstrich.

Textile Bespannung

Gewebe aus HDPE, beschichtetem Polyester, Markisenstoff aus Acryl oder eine PVC-Plane wird am Geländer gespannt, meist mit Seil durch Ösen oder mit Kabelbindern. Die Bespannung wiegt wenig, ist wetterfest, je nach Stoff blickdicht oder luftdurchlässig und kann nach Maß gefertigt werden. Ein solcher Balkonsichtschutz aus Stoff ist die häufigste Form der Verkleidung in Mietwohnungen.

Bei einem Balkonsichtschutz mit Ösen ist der Rand umgenäht oder verschweißt, die Ösen sitzen in regelmäßigem Abstand im Saum. Je genauer die Maße, desto besser die Passform. Sonderformen wie Schrägen an Treppen oder abgerundete Ecken werden individuell gefertigt.

Weitere Lösungen

Matten aus Bambus, Schilf oder Kunststoff, Outdoor-Vorhänge und Pflanzen ergänzen die Auswahl. Sie sind eher Sichtschutz als Verkleidung im engeren Sinn, können aber genau die Aufgabe erfüllen, um die es meist geht.

Balkonverkleidung als Sichtschutz, Windschutz und Sonnenschutz

Die meisten Verkleidungen entstehen wegen des Sichtschutzes: Sie schützen die Privatsphäre vor neugierigen Blicken. Eine geschlossene Fläche bis zur Höhe des Handlaufs verdeckt Sitzende vollständig, vom Nachbarbalkon und von der Straße aus. Wer auch im Stehen geschützt sein möchte, braucht Elemente, die über das Geländer hinausragen.

Beim Wind gilt eine einfache Regel: Je geschlossener die Fläche, desto größer die Last auf Geländer und Befestigung. Platten halten den Wind vollständig ab, erzeugen aber hinter sich Verwirbelungen. Ein luftdurchlässiges Gewebe bremst den Wind, ohne ihn ganz zu stoppen. Das ist für die Befestigung günstiger und fühlt sich auf dem Balkon oft ruhiger an. Mehr dazu unter Windschutz für den Balkon.

Helle Farben reflektieren Sonne, dunkle Flächen heizen sich auf. Das spielt bei Balkonen nach Süden eine Rolle, besonders bei Metall und dunklem Kunststoff.

Handwerker montieren eine Verkleidungsplatte mit Klemmhaltern am Balkongeländer

Montage und Befestigung

Feste Platten werden auf eine Unterkonstruktion geschraubt oder genietet, oder sie sitzen mit Klemmhaltern direkt an den Pfosten des Geländers. Bei Metallgeländern bohrt man dafür in der Regel in die Pfosten oder Querstreben. Die Platten brauchen Abstand zueinander, damit sie sich bei Wärme ausdehnen können.

Eine Bespannung wird dagegen nur umschlungen: Ein Seil läuft durch die Ösen im Saum um Handlauf und Bodenleiste, oder Kabelbinder halten jede Öse einzeln am Balkongeländer. Das Geländer bleibt unverändert. Weitere Varianten ohne Bohrer sammelt die Seite zur Befestigung ohne Bohren.

Zubehör für die Befestigung

  • Für Platten: Klemmhalter, Profile aus Aluminium, Schrauben und Unterlegscheiben aus Edelstahl, Distanzstücke.
  • Für Stoff: Ösen im Saum, UV-stabile Kabelbinder, Spannseil oder Expanderseil, bei Bedarf Seilspanner und Karabiner aus Edelstahl.

Wichtig bei jeder Verkleidung: Das Geländer muss die zusätzliche Windlast tragen können. Bei alten oder bereits wackeligen Geländern sollte vor einer festen Verkleidung ein Fachbetrieb draufschauen.

Absturzsicherung oder Sichtschutz?

Das Balkongeländer ist eine Absturzsicherung und muss eine bestimmte Höhe und Stabilität haben, die im Bauordnungsrecht der Länder geregelt ist. Eine Verkleidung, die fest zum Geländer gehört, etwa Glas oder Platten als Füllung, übernimmt einen Teil dieser Aufgabe und muss entsprechend ausgelegt sein. Eine nachträgliche Verkleidung als Balkon Sichtschutz dagegen hängt nur am vorhandenen Geländer und darf dessen Sicherheit nicht beeinträchtigen, etwa durch zu hohe Windlast oder Aufstiegshilfen für Kinder.

Balkonverkleidung innen oder außen?

Eine Balkonverkleidung innen, also auf der Balkonseite des Geländers, ist leicht zu erreichen, ohne Leiter oder Gerüst, und fällt von außen weniger auf. Außen montiert wirkt die Fläche geschlossener und schützt das Geländer vor Schmutz, verändert aber stärker die Fassade. In oberen Etagen ist die Montage außen ohne Hilfsmittel kaum sicher möglich.

Balkonverkleidung nach Maß

Kaum ein Geländer passt genau zu Standardmaßen. Platten werden daher meist zugeschnitten, Bespannungen als Maßanfertigung mit Ösen im passenden Abstand bestellt. Gemessen wird die Höhe vom Handlauf bis zur Unterkante, bei vielen Geländern rund 90 bis 120 cm, und die Länge jeder Seite einzeln, bei Ecken und Pfosten getrennt. Worauf es beim Messen ankommt, zeigt der Beitrag Maß statt Standardgröße.

Farben, Designs und Muster

Platten gibt es in Uni-Farben, Holz- und Steindekoren, Glas klar oder satiniert, Aluminium in vielen Farbtönen der Pulverbeschichtung. Stoffe reichen von unifarben in Anthrazit, Grau und Sand bis gestreift wie ein Markisentuch. Die Farbe sollte auf Fenster, Fassade und Geländer abgestimmt sein. Wetterfeste, UV-stabile Stoffe bleichen deutlich langsamer aus als einfache Gewebe. Vor dem Bestellen lohnt es sich, ein Materialmuster anzufordern und bei Tageslicht am Balkon anzusehen.

Was kostet eine Balkonverkleidung?

Feste Preise lassen sich seriös nicht nennen, weil Material, Fläche, Unterkonstruktion und Montage stark schwanken. Als grobe Reihenfolge von günstig zu teuer gilt:

  1. Textile Bespannung, Matten und Kunststoffplatten
  2. WPC und Holz
  3. Aluminium und HPL
  4. Faserzement und Glas

Bei festen Platten kommen Unterkonstruktion, Befestigungsmaterial und oft eine Montage durch einen Fachbetrieb dazu. Eine Bespannung lässt sich in der Regel selbst anbringen.

Mietwohnung und Eigentümergemeinschaft

Eine feste Verkleidung verändert die Fassade. In der Mietwohnung braucht es dafür meist die Zustimmung des Vermieters, in einer Wohnungseigentümergemeinschaft oft einen Beschluss. Lösungen, die sich ohne Spuren entfernen lassen und optisch zurückhaltend sind, haben bessere Chancen. Was im Einzelnen gilt, fasst der Beitrag Welcher Sichtschutz ist erlaubt zusammen.

Alte Balkonverkleidung erneuern

Verblasste, gerissene oder lose Platten sind der häufigste Anlass, eine Balkonverkleidung zu erneuern. Vorher lohnt ein Blick auf den Zustand von Geländer und Befestigung: Rost an Pfosten, lockere Schrauben und Risse im Beton sind zuerst zu beheben.

  • Alte Platten prüfen: Ältere Faserzementplatten können asbesthaltig sein. Bei Platten aus der Zeit vor den 1990er-Jahren sollte der Ausbau einem Fachbetrieb überlassen werden.
  • Befestigungspunkte nutzen: Vorhandene Halter und Bohrungen lassen sich oft weiterverwenden, wenn das neue Material ähnlich schwer und gleich groß ist.
  • Leichter ersetzen: Wer statt schwerer Platten eine Bespannung wählt, entlastet das Geländer und spart die Unterkonstruktion.
  • Entsorgung klären: Kunststoff, WPC und Verbundplatten gehören je nach Material auf den Wertstoffhof.

Pflege der Balkonverkleidung

Platten aus HPL, Aluminium und Glas werden mit Wasser und mildem Reiniger abgewaschen, Holz braucht regelmäßig Öl oder Lasur. Eine Bespannung aus Stoff lässt sich mit weicher Bürste und Wasser reinigen, im Winter kann sie hängen bleiben, wenn sie witterungsbeständig ist. Bei allen Varianten sollten Befestigung, Ösen und Seile ein- bis zweimal im Jahr geprüft werden.

Balkonverkleidung Ideen für verschiedene Balkone

  • Kleiner Stadtbalkon: helle, luftdurchlässige Bespannung in Grau oder Sand, dazu Kübelpflanzen an der Seite.
  • Balkon mit viel Wind: Gewebe statt geschlossener Fläche, rundum befestigt.
  • Moderner Neubau: Aluminium-Lochblech oder satiniertes Glas im Farbton der Fenster.
  • Altbau mit Holzgeländer: senkrechte Holzlatten, passend zum Bestand gestrichen.
  • Seitlich zum Nachbarn: höheres Element nur an der Trennseite, vorne offen.

Entscheidungshilfe

  • Dauerhaft, Eigentum, Fassade soll geschlossen wirken: feste Platten aus HPL, Aluminium oder Glas, montiert durch einen Fachbetrieb.
  • Mietwohnung oder kein Bohren gewünscht: textile Bespannung nach Maß, mit Seil oder Kabelbindern befestigt.
  • Windige Lage oder hohes Stockwerk: luftdurchlässiges Gewebe, sturmfest an vielen Punkten befestigt.
  • Nur zeitweise Schutz gewünscht: Vorhang oder Matten, die sich im Winter abnehmen lassen.

Wer unsicher ist, beginnt mit zwei Schritten: das Geländer genau ausmessen und klären, ob gebohrt werden darf. Damit steht meist schon fest, ob Platten oder eine Bespannung in Frage kommen.