Für eine Balkonverkleidung mit Platten kommen vor allem sechs Materialien in Frage: HPL, WPC, Aluminium, Kunststoff, Glas bzw. Acrylglas und Faserzement. HPL und pulverbeschichtetes Aluminium gelten als besonders langlebig und pflegeleicht, WPC bietet Holzoptik, Kunststoff ist die günstige und leichte Lösung, Glas die helle und schwere, Faserzement die mineralische und nicht brennbare.
Welche Platten passen, hängt von Geländer, Windlast, gewünschter Optik und Budget ab. Hier werden die Materialien einzeln mit Gewicht, Haltbarkeit, Pflege und Befestigung verglichen. Einen allgemeinen Überblick über Arten, Kosten und Genehmigung gibt der Beitrag zur Balkonverkleidung.
Balkonverkleidung Platten im Vergleich
- HPL: sehr hart und witterungsfest, farbstabil, mittleres Gewicht, verbreitet bei Neubau und Sanierung.
- WPC: Holzoptik ohne Streichen, dehnt sich bei Wärme deutlich aus, kann ausbleichen.
- Aluminium: leicht, rostfrei, als Glattblech oder Lochblech, mit Pulverbeschichtung in vielen Farben.
- Kunststoff (PVC, Polycarbonat): leicht und günstig, altert unter UV-Licht schneller.
- Glas und Acrylglas: lichtdurchlässig, klar oder satiniert, Glas ist schwer, Acrylglas kratzempfindlich.
- Faserzement: nicht brennbar, formstabil, vergleichsweise schwer.
HPL Balkonverkleidung
HPL steht für High Pressure Laminate, auf Deutsch Hochdrucklaminat oder Kompaktplatte. Die Platten bestehen aus harzgetränkten Papier- oder Zellulosebahnen, die unter hohem Druck und Hitze verpresst werden. Für den Außenbereich gibt es Platten mit besonders witterungsbeständiger Deckschicht, die UV-Licht, Regen und Frost gut vertragen.
Übliche Stärken für Balkone sind 6, 8 und 10 mm. Eine 6-mm-Platte wiegt nach Herstellerangaben rund 8,4 kg pro Quadratmeter, eine 8-mm-Platte rund 11,2 kg. Die Oberfläche ist glatt und dicht, Schmutz lässt sich mit Wasser und mildem Reiniger entfernen. HPL gibt es in Uni-Farben wie Anthrazit oder Weiß sowie in Holz- und Steindekoren.
HPL-Platten 6 mm oder 8 mm?
Die richtige Stärke hängt vom Abstand der Befestigungspunkte ab. Je weiter die Pfosten oder Profile der Unterkonstruktion auseinanderliegen, desto dicker muss die Platte sein, damit sie sich nicht durchbiegt und dem Wind standhält. Die zulässigen Abstände geben die Hersteller für jede Stärke in Tabellen an. Für kleinere Felder zwischen eng stehenden Pfosten reichen oft 6 mm, für größere Felder und freie Kanten sind 8 mm oder 10 mm üblich. Bei neuen Geländern gehört die Plattenstärke zur statischen Auslegung.
Sind HPL-Platten wasserfest?
Außentaugliche HPL-Kompaktplatten sind wasserfest und witterungsbeständig. Sie nehmen kaum Feuchte auf, quellen nicht und vertragen Regen, Frost und Sonne. Wichtig ist, dass wirklich Platten für den Außenbereich verwendet werden. Platten für innen haben keine UV-beständige Deckschicht und sind für den Balkon ungeeignet.
Nachteile von HPL
- Höheres Gewicht als Aluminium oder Kunststoff, die Unterkonstruktion muss passen.
- Harte, spröde Kanten: Beim Zuschneiden sind Sägeblätter mit Hartmetall-Zähnen nötig, sonst splittert die Kante.
- Bewegung durch Temperatur und Feuchte: Bohrungen ohne Spiel führen zu Spannungsrissen.
- Streichen ist kaum möglich, weil Farbe auf der dichten Oberfläche schlecht haftet. Die Farbe wird mit der Platte ausgewählt.
- Im Vergleich zu Kunststoffplatten höhere Materialkosten.
HPL Platten Balkonverkleidung Befestigung
HPL-Platten werden auf eine Unterkonstruktion aus Aluminium oder Stahl genietet oder geschraubt, oder mit Klemmhaltern an den Geländerpfosten befestigt. Weil sich die Platten bei Temperatur und Feuchte leicht bewegen, brauchen die Bohrungen in der Platte mehr Durchmesser als die Schraube (Gleitpunkte) und zwischen den Platten eine Fuge. Hersteller geben dafür Abstände und Randmaße vor, die eingehalten werden sollten. Direkt auf Beton oder Mauerwerk wird HPL nicht verklebt. Eine Unterkonstruktion aus Holz ist für HPL im Außenbereich weniger geeignet als Metall, weil sich Holz selbst verzieht.
Balkonverkleidung WPC
WPC ist ein Verbund aus Holzfasern oder Holzmehl und Kunststoff, meist Polyethylen oder Polypropylen. Der Holzanteil liegt je nach Produkt zwischen etwa der Hälfte und dem größten Teil der Masse. Das Ergebnis sieht aus wie Holz, muss aber nicht gestrichen werden und splittert nicht.
Die Schwächen: WPC dehnt sich bei Wärme stärker aus als Holz oder Metall, deshalb sind Dehnungsfugen von einigen Millimetern nötig. Unter UV-Licht bleichen viele Farben aus, die Oberfläche kann matt werden. Dunkle Profile heizen sich in der Sonne spürbar auf. Für Balkone gibt es WPC vor allem als Profile oder Paneele, die waagerecht oder senkrecht auf eine Unterkonstruktion geschraubt werden. Die Qualität schwankt je nach Zusammensetzung.
Balkonverkleidung Alu
Aluminium ist leicht, rostet nicht und lässt sich gut formen. Für Balkone gibt es glatte Bleche, gekantete Paneele, Lamellen und Lochblech. Eine Pulverbeschichtung schützt die Oberfläche und bringt Farbe, häufig in Anthrazit, Grau, Weiß oder Holzoptik.
- Lochblech: Durch das Lochmuster geht Luft durch, die Windlast sinkt. Je nach Lochgröße und Abstand bleibt die Fläche aus der Entfernung trotzdem weitgehend blickdicht.
- Glattblech und Paneele: vollständig geschlossen, modern, aber mit voller Windlast.
- Lamellen: schräg gestellte Profile, die Blicke von vorne abhalten und Luft durchlassen.
Aluminium ist pflegeleicht. Kratzer in der Beschichtung sollten ausgebessert werden, damit sich keine Korrosion unter der Farbe bildet. In der Sonne wird dunkles Metall heiß.
Balkonverkleidung Kunststoff
Kunststoffplatten für Balkone gibt es als Hohlkammer- und Stegplatten, als Vollplatten aus PVC oder als Polycarbonat. Sie sind leicht und gehören zu den günstigsten Plattenlösungen. Viele lassen sich mit einfachem Werkzeug zuschneiden.
Unter UV-Licht und Frost altern viele Kunststoffe schneller als HPL oder Metall. PVC kann vergilben und bei Kälte spröde werden, Stegplatten sammeln in den Kammern Schmutz und Algen, wenn die Enden nicht verschlossen sind. Für eine lange Nutzung sollte auf UV-stabilisierte Ware geachtet werden. Wer Kunststoffplatten für die Balkonverkleidung wählt, plant am besten mit Klemmprofilen, damit die Platten sich ausdehnen können.

Balkonverkleidung Glas und Plexiglas
Glas wirkt hell und hochwertig. Klares Glas schützt vor Wind, aber nicht vor Blicken. Für Sichtschutz wird satiniertes, mattiertes oder bedrucktes Glas verwendet. Als Absturzsicherung in einem Balkongeländer kommt nur Verbundsicherheitsglas (VSG) in Frage, das nach dem Brechen zusammenhält. Die Anforderungen daran regelt in Deutschland DIN 18008. Glasgeländer sind deshalb Sache eines Fachbetriebs.
Acrylglas, oft nach einem Markennamen als Plexiglas bezeichnet, wiegt etwa halb so viel wie Glas und ist schlagfester. Dafür verkratzt es leichter, lässt sich nur mit weichen Tüchern und ohne Scheuermittel reinigen und dehnt sich bei Wärme deutlich aus. Acrylglasplatten brauchen deshalb großzügige Bohrungen und Klemmhalter mit Spiel. Als Windschutz ist Acrylglas beliebt, weil es den Blick nach draußen frei lässt. Mehr dazu im Beitrag Windschutz aus Plexiglas.
Faserzement
Faserzementplatten bestehen aus Zement, Zellulosefasern, Wasser und Zusatzstoffen. Sie sind nicht brennbar, formstabil und bewegen sich bei Temperaturwechseln kaum. Eine 8-mm-Platte wiegt nach Herstellerangaben rund 10 kg pro Quadratmeter, stärkere Platten deutlich mehr.
Faserzement wird vor allem bei größeren Sanierungen und an Fassaden eingesetzt, meist durch einen Fachbetrieb. Beim Zuschnitt entsteht feiner Staub, der nicht eingeatmet werden sollte. Alte Platten aus der Zeit vor dem Asbestverbot können Asbest enthalten und dürfen nicht selbst gebrochen oder gesägt werden.
Platten zuschneiden und selbst montieren
Viele Platten werden auf Maß zugeschnitten geliefert, was bei HPL, Glas und Faserzement empfehlenswert ist. Kunststoffplatten und Aluminium-Paneele lassen sich auch selbst zuschneiden. Wer selbst sägt, sollte die Kanten entgraten und bei Kunststoff langsam schneiden, damit das Material nicht schmilzt oder reißt.
Eine Selbstmontage ist bei leichten Platten mit Klemmhaltern gut machbar. Bei schrägen Geländern, Aussparungen für Regenrohre oder großen Flächen lohnt eine fachgerechte Montage durch einen Betrieb, der Maß nimmt und die Befestigung plant. Ob für eine feste Verkleidung eine Genehmigung oder Zustimmung nötig ist, erklärt der Beitrag Welcher Sichtschutz ist erlaubt.
Gewicht, Windlast und Geländer
Jede Platte bringt zwei Lasten auf das Geländer: ihr Eigengewicht und die Windlast. Das Eigengewicht ist bei Aluminium und Kunststoff gering, bei Glas und Faserzement hoch. Die Windlast hängt vor allem von der geschlossenen Fläche ab. Eine vollflächige Verkleidung fängt Wind wie ein Segel, auch wenn die Platte selbst leicht ist.
Bestehende Geländer sind oft nicht für eine nachträgliche Vollverkleidung ausgelegt. Vor der Montage sollte deshalb geprüft werden, ob Pfosten, Verankerung und Handlauf die zusätzliche Last tragen. Wer die Last klein halten möchte, wählt Lochblech, Lamellen oder eine luftdurchlässige Balkonbespannung. Hinweise zur Windlast gibt auch der Beitrag Sichtschutz sturmfest befestigen.
Befestigung: Klemmhalter oder Unterkonstruktion
Klemmhalter
Klemmhalter werden an den Geländerpfosten verschraubt oder um runde Pfosten geklemmt und halten die Platte am Rand. Das ist die einfachere Variante für dünnere, leichtere Platten und für kleinere Felder. Die Platte liegt in einer Gummieinlage und kann sich etwas bewegen.
Unterkonstruktion
Bei großen Flächen, schweren Platten oder einer Montage außen vor dem Geländer braucht es eine Unterkonstruktion aus Aluminium- oder Stahlprofilen. Die Platten werden darauf genietet oder verschraubt, mit Fugen dazwischen. Diese Lösung ist stabiler, aber aufwendiger und fast immer mit Bohren verbunden.
Wer nicht bohren darf, ist mit Platten meist schlecht beraten. Leichte Alternativen zeigt die Seite zur Befestigung ohne Bohren.
Brandschutz
Für Balkonverkleidungen an Gebäuden gelten je nach Bundesland, Gebäudehöhe und Gebäudeklasse Anforderungen an das Brandverhalten der Baustoffe. Faserzement und Glas sind nicht brennbar, bei HPL gibt es normal entflammbare und schwer entflammbare Ausführungen, WPC und viele Kunststoffe sind brennbar. Bei Mehrfamilienhäusern und höheren Gebäuden sollte die Materialwahl vorab mit Hausverwaltung, Architekt oder Fachbetrieb abgestimmt werden.
Pflege und Haltbarkeit der Balkonplatten
- HPL und Aluminium: gelegentlich mit Wasser und mildem Reiniger abwaschen, keine Scheuermittel, Befestigungen und Schrauben prüfen. Beide Materialien gelten als besonders langlebig.
- WPC: Schmutz und Laub entfernen, damit keine Flecken entstehen, keine scharfen Reiniger.
- Kunststoff und Acrylglas: nur weiche Tücher, keine Lösungsmittel, keine Scheuermittel.
- Glas: wie Fenster reinigen, Kalkflecken bei hartem Wasser vermeiden.
- Faserzement: je nach Oberfläche mit Wasser reinigen, keinen Hochdruckreiniger aus kurzer Distanz.
Welche Platten für welchen Balkon?
- Langlebig und pflegeleicht: HPL oder pulverbeschichtetes Aluminium.
- Holzoptik ohne Streichen: WPC in heller Farbe, mit Dehnungsfugen.
- Wenig Budget, kleine Fläche: UV-stabile Kunststoffplatten mit Klemmprofil.
- Licht behalten: satiniertes Glas oder Acrylglas.
- Windige Lage: Lochblech, Lamellen oder Gewebe statt geschlossener Fläche.
- Mietwohnung ohne Bohren: keine Platten, sondern eine Bespannung, die am Geländer gespannt wird.
Vor dem Kauf lohnt es sich, eine Musterplatte oder ein Materialmuster anzusehen und das Geländer genau auszumessen. So passen Farbe, Plattengröße und Befestigungspunkte zusammen.





