Ob ein Balkonstoff Regen abhält, zeigen zwei Prüfungen: die Wassersäule nach DIN EN ISO 811, früher DIN EN 20811, für den Durchtritt und der Sprühtest für die Oberfläche. Wasserabweisend heißt, Tropfen perlen ab. Wasserdicht heißt, auch Wasser, das mit Druck auf dem Stoff steht, kommt nicht auf die andere Seite. Lässt der Abperleffekt nach, bringt eine Imprägnierung ihn zurück, macht einen offenen Stoff aber nicht wasserdicht. Für eine Balkonbespannung als Sichtschutz reicht fast immer ein wasserabweisendes Gewebe, das Sie alle paar Jahre nachbehandeln.
Zwei Eigenschaften, zwei Messungen
Ein Stoff kann das eine sein, ohne das andere zu sein. Eine dicht gewebte, nicht ausgerüstete Baumwolle saugt Wasser auf, lässt bei einem kurzen Schauer aber erst nach einer Weile etwas durch. Ein locker gewebtes Polyester mit frischer Imprägnierung lässt Tropfen dagegen glänzend abrollen, hält aber einer stehenden Pfütze nicht lange stand. Im Handel stehen beide Begriffe oft nebeneinander auf dem Etikett, ohne dass ein Messwert dabei ist.
Physikalisch passiert Folgendes: Wasser dringt auf zwei Wegen in ein Gewebe ein. Es wird von den Fasern aufgesogen, wenn deren Oberfläche Wasser anzieht, und es wird durch die Lücken zwischen den Fäden gedrückt, wenn genug Druck darauf lastet. Eine Imprägnierung bekämpft den ersten Weg, eine Beschichtung verschließt den zweiten.
- Wasserabweisend wird mit einem Sprühtest bewertet. Er zeigt, wie stark die Oberfläche benetzt wird.
- Wasserdicht wird mit dem hydrostatischen Druckversuch geprüft. Er zeigt, bei welchem Druck Wasser durchkommt.
Die Wassersäule nach ISO 811: so wird geprüft
Beim hydrostatischen Druckversuch wird eine Stoffprobe in ein Prüfgerät gespannt. Von einer Seite drückt Wasser mit stetig steigendem Druck dagegen. Der Prüfer beobachtet die Oberseite und notiert den Druck, bei dem an der dritten Stelle Wasser durchtritt. Dieser Wert ist die Wassersäule. Die Norm DIN EN ISO 811 hat die ältere DIN EN 20811 abgelöst, das Prinzip ist gleich geblieben. Sie ist für alle Textilien gedacht, die Wasser abhalten sollen, egal ob sie beschichtet oder nur ausgerüstet sind.
Einheiten umrechnen
Die Angabe in Millimetern Wassersäule (mm WS) beschreibt einen Druck. Eine Wassersäule von 1.000 mm drückt mit etwa 0,1 bar oder rund 10 kPa auf ihre Grundfläche. In Datenblättern finden Sie deshalb manchmal Zentimeter, Millibar oder Kilopascal. Zum Vergleich:
| Millimeter Wassersäule | Zentimeter | Millibar | Kilopascal |
|---|---|---|---|
| 300 mm | 30 cm | ca. 29 mbar | ca. 2,9 kPa |
| 1.000 mm | 100 cm | ca. 98 mbar | ca. 9,8 kPa |
| 3.000 mm | 300 cm | ca. 294 mbar | ca. 29 kPa |
| 10.000 mm | 1.000 cm | ca. 981 mbar | ca. 98 kPa |
Was der Wert nicht verrät
Geprüft wird ein neues Stück Stoff ohne Naht, ohne Öse und ohne Knick. Das fertige Produkt kann deutlich schlechter abschneiden. Wasser läuft an Nähten durch die Stichlöcher, an Ösen am Metallrand entlang und an Faltstellen durch feine Risse in der Beschichtung. Außerdem altert der Wert: UV-Licht, Reibung und Schmutz setzen Imprägnierung und Beschichtung zu. Eine Zahl aus dem Datenblatt beschreibt also den besten Zustand, den der Stoff je hatte.
Der Sprühtest: was „wasserabweisend“ im Labor heißt
Für die Oberfläche gibt es eine eigene Prüfung, die DIN EN ISO 4920. Dabei wird eine festgelegte Menge Wasser aus einer Düse auf eine Probe gesprüht, die unter 45 Grad eingespannt ist. Danach vergleicht der Prüfer das Bild mit Fotos und Beschreibungen aus der Norm. Bewertet wird, ob der Stoff trocken geblieben ist, ob einzelne Tropfen haften oder ob er sich großflächig vollgesogen hat.
Wichtig für den Kauf: Der Sprühtest sagt ausdrücklich nichts darüber, ob Regen durch den Stoff dringt. Ein Gewebe kann im Sprühtest sehr gut abschneiden und trotzdem eine Wassersäule von nur wenigen hundert Millimetern haben. Für eine Bespannung, die senkrecht am Geländer hängt, ist genau diese Kombination oft ideal: Der Regen perlt ab und läuft nach unten, ohne dass Wasser lange auf dem Stoff steht.
Balkonstoff imprägnieren: wie es wirkt und wann es nachlässt
Eine Imprägnierung legt sich als sehr dünne Schicht um jede einzelne Faser. Die Fäden bleiben frei, Luft und Wasserdampf kommen weiter durch. Das Wasser findet aber keinen Halt und zieht sich zu Tropfen zusammen. Sie erkennen eine nachlassende Imprägnierung daran, dass Regen dunkle Flecken bildet, statt in Perlen abzulaufen. Bei Balkonstoffen zeigt sich das zuerst an der Oberkante und an Stellen, an denen Hände oder Möbel den Stoff berühren.
Fluorfreie Mittel
Viele ältere Imprägnierungen arbeiteten mit fluorierten Verbindungen aus der Gruppe der PFAS. Sie halten neben Wasser auch Öl und Schmutz ab, bauen sich in der Umwelt aber kaum ab. Die EU beschränkt mit der Verordnung (EU) 2024/2462 die Verbindung PFHxA und verwandte Stoffe. Ab dem 10. Oktober 2026 gilt das unter anderem für Imprägniersprays für Verbraucher und für Kleidung, ein Jahr später für weitere Verbrauchertextilien. Fluorfreie Mittel auf Basis von Wachsen, Paraffinen oder Silikonen machen Stoffe zuverlässig wasserabweisend. Gegen Fett und Ruß wirken sie schwächer, und sie müssen meist öfter erneuert werden.
So frischen Sie die Ausrüstung einer Bespannung auf:
- Den Stoff mit lauwarmem Wasser und einer weichen Bürste reinigen. Auf schmutzigem Gewebe haftet kein Mittel.
- Vollständig trocknen lassen, am besten hängend.
- Ein Spray für Outdoor-Textilien gleichmäßig und mit dem Abstand aus der Gebrauchsanweisung auftragen, an einem windstillen, trockenen Tag.
- Nach Herstellerangabe trocknen lassen. Manche Mittel brauchen Wärme, um sich zu vernetzen, und wirken auf dem kühlen Balkon schwächer.
PVC-beschichtet oder offenes Gewebe: was der Unterschied bewirkt
Bei Balkonstoffen stehen sich zwei Bauweisen gegenüber. Beim beschichteten Gewebe trägt ein Polyestergrund eine geschlossene Schicht aus PVC. Beim offenen Gewebe bleiben Lücken zwischen den Fäden, wie bei HDPE oder bei Polyester und Acryl mit Imprägnierung. Die Wahl hat Folgen weit über den Regen hinaus:
| Eigenschaft | PVC-beschichtet | Offenes, imprägniertes Gewebe |
|---|---|---|
| Wasser von vorn | bleibt außen, läuft am Stoff ab | perlt ab, bei Dauerregen tritt etwas durch |
| Luft und Wasserdampf | kein Austausch | Austausch möglich, Stoff trocknet von innen |
| Wind am Geländer | volle Angriffsfläche | je nach Webdichte geringer |
| Verhalten bei Frost | wird steif, Knicke können brechen | bleibt weich |
| Kondenswasser | kann sich auf der Innenseite bilden | kaum |
| Gewicht | höher | niedriger |
Für eine Bespannung am Geländer ist die Windfrage meist wichtiger als der Regen. Eine geschlossene PVC-Bahn bremst nicht nur Tropfen, sondern jede Böe, und gibt die volle Kraft über Ösen und Kabelbinder an die Geländerstäbe weiter. Ein offenes Gewebe lässt einen Teil der Luft durch und belastet die Befestigung weniger.
Was Sie für Sichtschutz und was für Regenschutz brauchen
Stellen Sie sich zuerst die Frage, wo das Wasser hin soll. An einer senkrechten Bespannung läuft es von selbst nach unten. Ein wasserabweisendes Gewebe reicht, solange es nach dem Regen schnell trocknet. Wasserdichte Bahnen lohnen sich hier nur auf einer Seite, auf die der Regen regelmäßig quer schlägt und hinter der etwa Polster oder ein Schrank stehen.
Anders bei Flächen über Ihrem Kopf. Ein Segel oder eine Plane, unter der Sie bei Regen sitzen wollen, braucht eine geschlossene Beschichtung, eine hohe Wassersäule im Datenblatt und abgedichtete Nähte. Dazu muss das Wasser über Gefälle sicher ablaufen.
Ein einfacher Test zu Hause
Haben Sie ein Reststück oder eine Musterprobe, spannen Sie es über eine Schüssel und gießen ein Glas Wasser darauf. Perlt das Wasser ab und rollt über den Rand, ist die Oberfläche gut ausgerüstet. Lassen Sie danach eine kleine Pfütze zehn Minuten stehen und schauen Sie, ob sich darunter Tropfen bilden. Das ersetzt keine Normprüfung, zeigt aber schnell den Unterschied zwischen einem wasserabweisenden und einem wasserdichten Stoff.
Häufige Fragen
Ist „wasserabweisend“ schlechter als „wasserdicht“?
Nicht für jeden Zweck. Für eine senkrechte Bespannung ist ein wasserabweisendes, luftdurchlässiges Gewebe oft die bessere Wahl, weil es schneller trocknet und weniger Wind fängt.
Welche Norm gilt für die Wassersäule?
DIN EN ISO 811. Sie hat die frühere DIN EN 20811 ersetzt. Gemessen wird der Druck, bei dem an der dritten Stelle Wasser durch die Probe tritt.
Kann ich einen Stoff durch Imprägnieren wasserdicht machen?
Nein. Eine Imprägnierung macht die Oberfläche wasserabweisend. Wasserdicht wird ein Stoff erst durch eine geschlossene Beschichtung oder eine Membran.
Wie oft sollte ich eine Bespannung nachimprägnieren?
Sobald Regen dunkle Flecken bildet, statt abzuperlen. Bei voller Sonne und fluorfreien Mitteln ist das oft schon nach einer Saison der Fall.





